Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie

Vorläufige Impfempfehlungen zur Durchführung von Schutzimpfungen bei rheumakranken Kindern

Generell gilt: Kinder mit chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sollten gemäß der aktuellen STIKO-Empfehlungen immunisiert werden (aktueller Impfkalender, Stand 08/2010).

Aber: Die Entscheidung zur Impfung ist immer eine individuelle, geimpft werden sollte idealerweise in Phasen geringer oder fehlender Krankheitsaktivität.

Die zugehörige Webseite der STIKO finden Sie hier

Besonderheiten

1) Standardimpfungen:

  • keine Lebendimpfungen (d.h. keine MMR-Impfung) bei Patienten immunsuppressiver Therapie, d.h.

einer Basistherapie mit z.B. Methotrexat, Azathioprin, Cyclosporin A, 
Cyclophosphamid, 
Leflunomid, Mycophenolatmofetil, Etanercept, Infliximab, Adalimumab

einer systemischen Glukokortikoidtherapie in einer Dosis von > 0,2 mg Prednisolonäquivalent/kg Körpergewicht/Tag bzw. > 20 mg Prednisolonäquivalent/Tag über einen Zeitraum von > 1 Monat

innerhalb von 14 Tagen nach einer Glukokortikoid-Pulstherapie

sowie möglichst nicht innerhalb von 3 Monaten nach Absetzen der immunsuppressiven Behandlung

  • bei Patienten unter immunsuppressiver Therapie 4 Wochen postvakzinal Impferfolg durch Antikörperbestimmung überprüfen

  • vor Einleitung einer immunsuppressiven Therapie Standardimpfungen gemäß STIKO (auch MMR) ggf. komplettieren (Lebendimpfungen mindestens 3 Wochen vor Therapiebeginn), an MMR- und ggf. Varizellen-Impfung der Geschwisterkinder denken

 

2) Indikationsimpfungen:

  • Influenzaimpfung bei allen Kindern und Jugendlichen mit chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

  • Pneumokokken-Impfung (Polysaccharid-Impfstoff ab vollendetem 2. Lebensjahr) bei Kindern immunsuppressiver Therapie, insbesondere bei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes
  • Meningokokken-Impfung bei Patienten mit Asplenie/funktioneller Asplenie (z.B. SLE)

  • Keine Varizellen-Impfung bei Patienten unter immunsuppressiver Therapie (Ausnahme: Unterbrechung der immunsuppressiven Therapie für mindestens 2 Wochen, d.h. für 1 Woche vor bzw. 1 Woche nach der Immunisierung) oder innerhalb von 5 Monaten nach einer Immunglobulingabe

  • Vor Einleitung einer immunsuppressiven Therapie folgende Impfungen erwägen:

Varizellen-Impfung bei negativer Anamnese (ggf. Titerbestimmung)
(Voraussetzung: Gesamtlymphozytenzahl > 1.200/µl)

Pneumokokken-Impfung

Ggf. Influenza-Impfung

 

3) Postexpositionelle Impfungen

Vorgehen bei Varizellen-Kontakt und negativer Varizellen-Anamnese

  • postexpositionelle Impfung bei Kindern immunsuppressive Therapie innerhalb von 5 Tagen nach Exposition (d.h. 1 Stunde oder länger mit infektiöser Person in einem Raum, face-to-face-Kontakt oder Haushaltskontakt)

  • postexpositionelle Gabe von Varizella-Zoster-Immunglobulin (z.B. Varicellon®, mind. 0,2ml/kg KG i.m.) bei Kindern immunsuppressiver Therapie innerhalb von 24 bis spätestens 96 Stunden nach Exposition

oder unspezifische postexpositionelle Prophylaxe mit Acyclovir oral (z.B. Zoviraxâ 40-80 mg/kg/Tag p.o. ab dem 7. Tag der Inkubation für 5 - 7 Tage)

Vorgehen bei ungeimpften oder einmal geimpften Kindern mit Masern-Kontakt

  • postexpositionelle Impfung bei Kindern immunsuppressive Therapie innerhalb von 3 Tagen nach Exposition

  • eine postexpositionelle Immunglobulingabe ist bei besonders gefährdeten Kindern immunsuppressiver Therapie (0,5 ml/kg KG i.m. oder 1-2 ml/kg KG i.v., optimal innerhalb von 2 - 3 Tagen nach Exposition, bis zu 6 Tagen ggf. mitigierter Verlauf) zu erwägen